Bericht

Es gab einen Tisch, an dem diese Entscheidungen beraten wurden, und an diesem Tisch war kein Stuhl für die, von denen die Entscheidungen handelten.

Das ist die erste Merkwürdigkeit, und sie wird einen ganzen Abend lang von niemandem bemerkt: die Beratung ist vollständig. Es fehlt nichts. Jede Frage, die man hätte stellen können, ist gestellt worden, weil es für jede Frage eine Person mit einer Zuständigkeit gibt, und die Zuständigen sind alle anwesend. Man habe gründlich gearbeitet, sagt am Ende der Vorsitz, und das stimmt, genau genommen, auch: es wurde gearbeitet.

Der Tisch ist die eine Hälfte. Die andere ist ein Stapel.

Neben dem Protokoll liegt ein Stapel Einwendungen. Sie sind nicht durchgesehen, sie sind eingegangen, und zwischen diesen beiden Wörtern liegt der ganze Vorgang. Wer eine Einwendung einreicht, hat eine Nummer, und mit der Nummer hat er eine Sache, und mit der Sache hat er einen Anspruch darauf, daß sie behandelt wird. Also ist sie behandelt. Sie liegt im Stapel, mit Datum, und das Datum ist der Beweis dafür.

Der Mann, der den Stapel zu verantworten hat, sagt gelegentlich einen Satz, der genügt, um eine Frage zu erledigen, ohne daß sie gestellt werden muß. Er sagt: es ist vorgesehen. Vorgesehen ist es. Der Stapel ist vorgesehen. Das ist wahr und es ist alles, was er braucht, denn vorgesehen ist eine Form des Handelns, die niemandes Anwesenheit verlangt.


Später, in einem anderen Zimmer, wird ein Formular ausgefüllt.

Er füllt es in der Reihenfolge aus, in der es gedruckt ist. Das ist die einzige Reihenfolge, die gedruckt ist. Zeile für Zeile, mit dem Kugelschreiber, den er sich am Empfang geliehen hat, weil seiner gestern im Zug liegengeblieben ist.

Unten, an letzter Stelle, ist ein Feld, in dem man angeben kann, woher etwas stammt. Dieses Feld liegt unter allen anderen, weil es zuletzt dazugekommen ist. Es ist nicht Pflicht. Es ist freigestellt, und darin liegt die ganze Freundlichkeit des Bogens: man kann es leer lassen, ohne daß der Bogen unvollständig wird.

Er läßt es leer. Nicht, weil er etwas verbergen will.

Er läßt es leer, weil er beim Ansehen der Zeile nicht sagen kann, ob die Angabe, die hineinpassen würde, die Arbeit beschreibt oder ihr widerspricht, und weil ihm das erst jetzt auffällt — hier, mit dem Kugelschreiber in der Hand, in dem Zimmer, in dem es still ist. Als er den Bogen abgibt, fährt die Empfängerin mit dem Daumen über die Ecke. Sie tut das bei jedem Bogen. Das ist der letzte Schritt des Vorgangs, und er hat den Schritt vorher nicht gekannt.

Vor der Tür bleibt er stehen, weil er sich nicht sicher ist, ob er etwas vergessen hat. Er hat nichts vergessen. Er hat die Liste im Kopf durchgezählt, das geht schnell, und sie war vollständig; trotzdem steht er noch einen Moment und zählt sie ein zweites Mal.


Auf dem Nachhauseweg kommt er an einem Haus vorbei, in dem zwei Fenster übereinander liegen. Im unteren brennt Licht, im oberen nicht. Es ist Viertel nach zehn. Er sieht nicht hinauf, er sieht nur, daß die Straße nasse Stellen hat, und geht etwas schneller, damit die Bahn nicht vor ihm fährt.

Am Bahnhof steht ein Fahrkartenautomat, der die Scheine nicht mehr nimmt. Über dem Automaten hängt ein Zettel: Wechselgeld an der Information. Die Information ist geschlossen.

Der Zug hat vier Minuten Verspätung. Er ist müde, aber nicht schläfrig. Er liest auf dem Bahnsteig die Anzeige zweimal, weil sie zwischen zwei Anzeigen wechselt, und merkt, daß er auf die zweite wartet, obwohl die erste gilt.

Als er sitzt, nimmt er das Formular noch einmal aus der Tasche, nicht um es zu ändern, sondern um zu sehen, ob er den Durchschlag hat. Er hat den Durchschlag. Er faltet ihn so, wie er gekommen ist, und steckt ihn zurück.

Der Stapel

Er hat gedacht, die Einwendung sei eine Frage an ihn. Sie war eine Frage an den Stapel.

Die Blätter, die später von ihm kamen, waren ordentlich. Jedes hatte ein Datum. Ungefähr in der Mitte lag eines, das schmaler war als die anderen, weil das Papier anders geschnitten war; es ist nicht aufgefallen, und es liegt dort noch.

Der Tisch ist immer noch da. Die Stühle auch.

— Margarethe, 23.10.2026

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