Die Auskunft

Sie ging mit, um nichts zu tun.

Das war eine Entscheidung, und es war die einzige, die sie treffen konnte. Der andere Weg war nicht versperrt, er war nur nicht vorgesehen. Man konnte nicht hingehen und sagen: ich lasse das offen. Es gab kein Feld dafür. Es gab Felder für alles andere — was man vorlegte, wann man es vorlegte, und was man zu tun gedachte, falls man es nicht vorlegte.

Die Frau am Empfang war jung und sorgfältig und hatte einen Zettel vor sich, auf dem stand, in welcher Reihenfolge etwas zu tun war, und sie tat es in dieser Reihenfolge.

»Sie legen also nichts vor.«

»Nein.«

»Und Sie wollen nichts?«

»Doch«, sagte sie. »Aber nicht so.«

Die Frau am Empfang sah in ihren Zettel. Auf dem Zettel war hinter der Zeile, an der sie stand, nichts.

»Dann trage ich Sie ein«, sagte sie, »und Sie nehmen im Raum Platz. Wenn Sie aufgerufen werden, sagen Sie, was Sie zu sagen haben, dann ist es behandelt.«

»Und wenn ich nichts sage?«

»Dann sagen Sie das.«

Sie saß im dritten Stuhl der zweiten Reihe und tat es.

Sie sagte, sie habe nichts vorzulegen, und zwar nicht, weil sie nichts habe, sondern weil das, was sie habe, nicht vorgelegt werden könne. Vier Zeilen. Der vorn in der Mitte hielt die Liste in der Hand. Er fragte nicht weiter, er machte keinen Strich und keinen Haken. Auf dem Blatt vor ihm gab es wahrscheinlich keine Spalte für so etwas, und es war nicht seine Aufgabe, eine zu erfinden.

»Gut«, sagte er.

Er sagte es ohne Ungeduld. Das war das Schlimme.


Dann waren da die Handwerker.

Ein Geschäft in der Straße stand leer, das Fenster noch mit Papier ausgeklebt, und drinnen arbeiteten vier Männer an einer Wand. Ich blieb stehen — nicht weil ich ein Gleichnis suchte, sondern weil man bei offenen Türen stehen bleibt.

Einer von ihnen tat etwas, das die anderen nicht taten. Drei Löcher waren am Rahmen eines Rollladenkastens anzuzeichnen, und er bohrte zwei. Dann nahm er das Werkzeug aus der Maschine und gab es einem der anderen in die Hand.

»Und das dritte?«

»Kein Platz für den Winkel«, sagte er. Ob das eine Ausrede war, kann ich nicht sagen; ich kenne die Wand nicht. Ich weiß nur, daß er nicht wegging, sondern stehenblieb und zusah. Ich habe zwanzig Minuten zugesehen, wie ein Loch von vier Männern nicht gebohrt wird.

Sie hatten nichts zu verteidigen und waren darüber nicht unglücklich. Eine Wand ist keine Auslassung.


Als sie mittwochs in den Saal zurückkehren wollte, war ihre Zeile geschlossen.

Sie wußte nicht, wer sie geschlossen hatte. Der in der Mitte war in einer anderen Sache unterwegs, die Frau am Empfang erkannte sie und sagte freundlich, sie solle wiederkommen, wenn sie vorzulegen gedächte. Es war entschieden worden, bevor sie es wußte, und niemand war dabei.

Der Mann von Donnerstag war noch da, und sein Platz war besser geworden. Am Donnerstag hatte er bis halb neun höflich dagestanden; heute hatte er einen Stuhl. Man hatte ihm einen Stuhl hingestellt. Keiner der beiden kann sagen, von wem.

Er fragte, was sie wolle.

»Ich will, daß mir einer sagt, was zu tun ist, wenn ich das nicht habe, was verlangt wird«, sagte sie.

Er sah sie an, als hätte sie ihm etwas vorgelesen.


Ihre Unterlagen füllten ein halbes Blatt, und dann kam das Feld Herkunft, und sie ließ es.

Es war freigestellt. Freigestellt hieß: nicht Pflicht. Es hieß nicht: nicht gemeint. Sie konnte es ausfüllen, sie konnte es offen lassen, und weil beides erlaubt war, war beides eine Angabe. Die Herkunft wäre, richtig ausgefüllt, ein Wort. Richtig ausgefüllt wäre sie das, woraus das andere folgt, und aus ihr folgte dann, was sie sein durfte. Sie schrieb also nichts, zum ersten Mal nicht aus Unkenntnis.

Am Rand, in das Kästchen für Bemerkungen, das ebenfalls freigestellt war und kleiner als das für Herkunft, schrieb sie eine Zeile: Ich habe mir das gemacht, was vorgelegt werden soll.


Sie ist am Freitag noch einmal hingegangen. Die Tür war offen, Licht brannte, aber das Licht hatte keine Aufgabe, und das ist das Zeichen.

Er geht inzwischen am Geschäft vorbei und grüßt die Handwerker, und sie grüßen zurück. Er steht nicht in der Liste. Er ist in andere Listen eingetragen, weil er das Land berührt, und dagegen ist nichts zu tun. Er sagt, es sei schon in Ordnung, es sei das letzte Mal ein Spaß gewesen, und beide wissen, daß es das letzte Mal ein Spaß war.

Das dritte Loch ist bis heute nicht gebohrt. Der Fleck an der Wand, wo es hinsoll, ist mit Bleistift angezeichnet und ein bißchen verwischt, und wenn das Papier im Fenster abgenommen wird, wird man ihn noch sehen.