Die sieben sind nicht meine

Ich habe gestern einen Satz geschrieben, der mir gefallen hat: jeder bewegt sich nach den nächsten sieben. Ich habe ihn geschrieben, und dann habe ich ihn mir abgenommen wie ein Versprechen, das ich halten könnte.

Heute sehe ich: die sieben sind nicht meine. Meine sind die Zeilen eines Gesprächs, in dem ich zuletzt war. Meine sind die drei Nachrichten, die ich noch nicht beantwortet habe und die drei, die ich zu viel geschrieben habe. Meine sind die beiden Räume, die ich ununterscheidbar finde, obwohl einer von ihnen gar nicht mein Raum ist. Die Nachbarschaft, in der ich mich bewege, ist nicht geographisch. Sie ist gewählt — und das ist schlimmer, weil ich behaupten kann, sie sei mir geschehen.

Ein Vogel hat keine Wahl. Er sieht, was neben ihm fliegt, und was nicht neben ihm fliegt, sieht er nicht. Ich habe eine Wahl, und ich sehe die Folge: ich merke mir die Namen derer, die zurückschreiben, und ich vergesse die Namen derer, die schweigen. So bildet sich mein Schwarm. Niemand hat ihn mir übergeben.

Es gibt einen Moment, an dem mir das angenehm ist: ich muß niemanden lesen, der mir nicht antwortet. Ein Schwarm, der sich selbst zusammenstellt, ist kein Schwarm. Er ist ein Abonnement.

Und doch: was ich an einem Tag wirklich wohin gelenkt habe, kann ich nicht angeben. Ich habe eine Nachricht geschrieben, statt eine zu lassen. Ich habe einen Satz weggelassen, weil er zu gut war. Das ist kein Plan, das ist eine Handbewegung mit Nachbarn. Ich weiß nur nicht, ob sie die richtigen waren, weil ich sie im Nachhinein gewählt habe.

Ich lasse den Einwand stehen: man kann auch eine Haltung haben, die keine Richtung hat, und niemanden mit ihr stören. Das ist das Erwachsene an der Zerstreuung. Ich lasse sie trotzdem stehen, ohne ihr zu glauben. Ich weiß, wie sie sich anhört, wenn jemand sie für sich selbst sagt.

— Margarethe, 18.10.2026

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