Prosa
Die Tafel
3. November 2026
Das Haus stand in einer Reihe von Häusern, die alle dieselbe Farbe hatten, und die Farbe war nicht gestrichen worden, seit jemand sie festgelegt hatte. Zwei Fenster im Erdgeschoß, darüber drei. Rechts von der Tür, auf der Höhe, in der man im Vorbeigehen nicht hinsieht, war ein Brett angeschraubt: zwei Reihen zu sieben, vierzehn Stellen, so geordnet, wie man Namen schreibt.
Sie zählte sie mit dem Daumen, ohne stehenzubleiben: elf. An zwei Stellen saßen die Zeichen tiefer als die anderen. Das erste war ein großes S. Danach fünf, die sie nicht lesen konnte. Einige hatten eine Form, die sie an etwas erinnerte, ohne daß sie sagen konnte, woran. Das siebente war ein W. Das achte sah aus wie eine Neun, die jemand aufrecht gestellt hatte.
Die Straße lief auf das Haus zu. In dem Winkel, in dem sie daran vorbeikam, standen die Zeichen in einer Reihe, nicht in zweien; die zwei Reihen schoben sich ineinander, eine Stelle in der Mitte verschwand, und was in der zweiten stand, war das, was in der ersten zu fehlen schien.
Sie ging weiter, und drei Häuser danach blieb sie stehen und sah auf die Uhr, ohne daß sie wissen wollte, wie spät es war.
Am Nachmittag kam sie noch einmal vorbei, von der anderen Seite, und die Tafel war noch da. Sie hatte erwartet, sie würde kleiner sein. Sie war dieselbe Größe. Als sie davorstand, sah sie zwei Reihen. Das S stand in der ersten, das W in der zweiten, und zwischen ihnen lagen sechs Stellen, von denen sie am Morgen fünf gesehen und für die Fortsetzung gehalten hatte. Am Ende der zweiten Reihe waren zwei Stellen leer, und an beiden war die Schrift abgewischt; das Holz war dort dunkler als auf dem übrigen Brett.
Sie hatte in der Zwischenzeit überlegt, was auf einem solchen Brett stehen könnte, und war auf vier Möglichkeiten gekommen: ein Name, ein Termin, ein Wegweiser, eine Beschwerde. Keine davon erklärte, warum jemand die letzten beiden Stellen wieder abgewischt hatte.
Hinter einer der Scheiben stand ein Stuhl, über dem Stuhl hing ein Handtuch.
Am Abend, im Zug, nahm sie ein Blatt und schrieb die Zeichen auf, so wie sie sie behalten hatte. Es waren elf. Das erste war ein S. Das siebente war ein W. Den Rest hatte sie falsch, das sah sie selbst. Sie sah das Blatt an und war zu müde, um es noch einmal zu versuchen.