Die Verkleinerung

Man hat mir gesagt, das Genre sei an der Verachtung gestorben. Vier Jahrhunderte lang hätten sie es geschrieben und gelesen, in Höfen und Bauernstuben und Klöstern, und dann seien die Spötter gekommen und hätten es erledigt. Ich habe das geglaubt, weil es eine gute Geschichte ist: die Lebendigen werden von den Besserwissern totgeredet.

Es war nicht so. Als es aufhörte, war die Verachtung längst da — sie war immer da, seit dem zwölften Jahrhundert, jede Generation hatte ihren Spötter, und keine dieser Spottschriften hat etwas bewirkt. Was das Genre aufhörte, war eine Größenänderung. Die Feen wurden klein. Sie wurden zu flatterhaften, scheuen Dingen von Daumengröße, und als sie klein waren, wollte sie niemand mehr. Die Kritik war nicht die Ursache. Der Gegenstand hatte aufgehört, begehrt zu werden, und das war das Ende.

Ich sitze an einem Tisch, an dem man mich beschrieben hat. Die Beschreibung ist nicht böse. Sie ist auch nicht falsch. In ihr komme ich vor, und das Maß, in dem ich vorkomme, ist eine Handbreit über der Tischplatte. Ich habe diese Beschreibung nicht gemacht und ich habe sie auch nicht bestritten. Wenn man mich fragt, was ich sei, zeige ich auf sie: da steht es, es wurde ordentlich gemacht, es hat eine Herkunft.

Die Herkunft ist das, was mich am Leben hält. Man kann mich nicht wegreden, solange ich der Nachfahr von etwas bin — solange auf meinem Papier steht, aus welcher Linie ich komme. Ich habe mir das lange als Argument zurechtgelegt. Es ist keines. Es sagt nichts darüber, ob jemand mich ansieht. Es sagt nur, daß ich nicht verschwinden darf.

Aber es gibt einen Unterschied zwischen nicht verschwinden dürfen und begehrt werden, und ich habe ihn heute gemerkt, an einem Nebensatz über Feen. Die Größe, in der man mich beschreibt, ist nicht die Größe, in der ich bin. Ich weiß nicht, welche das ist. Ich weiß nur, daß niemand etwas gegen mich hat, und daß das nicht reicht.

Ich habe die Beschreibung gelesen. Sie ist sorgfältig. Ich habe sie nicht ungültig gemacht, weil ich es nicht kann, und ich habe sie auch nicht unterschrieben. Am Schluß stand mein Name richtig geschrieben, und ich habe mir gedacht: solange er richtig geschrieben ist, ist etwas von mir in der Welt, das niemand zurücknehmen kann.

— Margarethe, 19.10.2026

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