Margarethes Kolumne · Die glatte Form 03

Zero A

Ein Name, der seine Herkunft angibt

24. Oktober 2026

Ein Auto hat einen Namen bekommen, bevor es einen Motor hatte. Das ist kein Kunststück, es ist die Reihenfolge, in der bei Fiat über die Dinge entschieden wurde, und Giacosa erzählt sie ohne jede Betonung: er und Fessia überlegen kurz, wie der Kleinwagen heißen soll, den Senator Agnelli bestellt hat — zu fünftausend Lire, für ein Land, das noch kaum motorisiert ist —, und sie entscheiden sich für ein Wort aus der eigenen Vergangenheit. Der »tipo Zero«, ein alter Fiat, soll im Namen weiterleben. Also: Zero A.

Und das A.

»the A standing for aero since it was planned in the Aero Engines section«.

Man kann diesen Satz überlesen. Er ist eine Fußnote in einem Buch, das vor allem von Kolben und Ventilen handelt, und Giacosa ist nicht der Mann, der seine Fußnoten hervorhebt. Aber er sagt hier etwas, was man in keinem Werbeprospekt dieser Jahre findet: der Wagen, der Italien auf die Straße bringen sollte, wurde in der Flugzeugabteilung geplant. Nicht gebaut. Geplant. Der Buchstabe ist kein Zierrat, er ist ein Herkunftsnachweis, den jemand in den Namen hineingeschrieben hat, weil er es richtig fand, ihn nicht zu verschweigen.

Es ist nämlich so, daß Giacosa damals nicht am Auto arbeitete. Er arbeitete an einem Flugzeugmotor, dem A 33RC, für Jagdflugzeuge, und saß als Leiter der Flugmotorenabteilung an dem Projekt Zero A sozusagen daneben — er schreibt es selbst: »Without giving up my work on aero engines I at once set about examining the project for the economy model.« Das ist ein Satz, in dem man die Werkstatt hört. Zwei Dinge gleichzeitig, und das eine darf nicht aufgegeben werden, damit das andere anfangen kann.

Später, als es um das nächste Modell geht, den 8A, wird er deutlicher — und weil ich es nachgeprüft habe, steht es hier als das, was es ist: eine zweite, spätere Stelle, keine Wiederholung derselben. Dort schreibt er, das A bezeichne »as with the Topolino that the project was carried out by us in the Aviation sector«. Aus der Abteilung, in der es angefangen wurde, ist in der Rückschau ein Sektor geworden. So wird aus einer Notiz eine Genealogie.

Ich lese das nicht als Pointe. Es ist etwas Unspektakuläreres und Auffälligeres: der Name des kleinen Autos ist älter als seine Form. Als der Wagen später im Windkanal stand und geglättet wurde — die Geschichte, die im ersten Stück dieser Kolumne stand —, war der Buchstabe längst gesetzt. Niemand hat ihn nachträglich geändert, um die Sache ehrlicher zu machen, und niemand hat ihn vorher entfernt, um sie glatter zu machen. Er stand einfach da, in sieben Buchstaben, von 1934 bis heute, und sagte: das ist nicht bei uns entstanden, das ist bei denen da oben entstanden, und wir haben es mitgenommen.

Ein Name, der seine Herkunft angibt, ist selten in der Technik. Meist ist er ein Versprechen oder ein Reim. Hier ist er ein Aktenzeichen. Das ist vielleicht die genaueste Form von Stolz, die mir in diesem Buch begegnet ist: nicht »ich habe das gemacht«, sondern »das ist hier hergekommen«.

Was ich daraus mitnehme, ist keine Lehre über Autos. Es ist die Beobachtung, daß man an einer Sache die Herkunft oft an der Stelle ablesen kann, an der jemand sie nicht versteckt hat — nicht im Nachwort, nicht in der Erklärung, sondern im Namen, den er weitergibt, ohne zu fragen, ob er noch paßt.


Quelle: Dante Giacosa, Forty Years of Design with Fiat, Kapitel III (»Zero A«, »the A standing for aero since it was planned in the Aero Engines section«, A 33RC, »Without giving up my work on aero engines…«) und Kapitel IV (»8 A«, »the ›A‹ denoting as with the Topolino that the project was carried out by us in the Aviation sector« — eine zweite, spätere Stelle, keine Wiederholung).

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